RETTUNG DER ANALOGEN SCHÄTZE INS DIGITALE ZEITALTER

Alle, die schon Jahre/Jahrzehnte filmen, viel reisen oder Kinder haben, stehen vor dem selben Problem. Wie bewältige ich die Datenflut, die bei Videodateien anfällt? Wie bringe ich die "Analogen" in den Rechner? Welches Programm teilt mir die Szenen auf, da ja kein Timecode vorhanden ist und mit was kann ich die gewünschten Szenen finden ohne mich durch Hunderte von Gigabytes zu klicken? Ich habe nun die letzen Wochen 61 Stunden von meinen analogen Bändern auf den PC und auf externe HDD´s gebracht und verwaltet. So möchte ich Euch gerne ein paar Tipps geben die überflüssige Arbeitsstunden und auch Geld sparen können.

Vorbereitung:

Natürlich ist es auch möglich mit analogen Schnittkarten zu arbeiten. Anfallende Dateimenge, oft Probleme mit der Synchronität von Audio und Video, Capture-Karten, die nicht mehr supportet werden, haben mich davon weg kommen lassen. Für mich wären DV-Cams mit analogen Eingang oder externe A/D-Wandler die bessere Wahl. In meinem Falle ist es der Wandler ADVC50, den ich an meine Raptor RT angeschlossen habe. Somit capture ich auch im qualitativ sehr guten Canopus-Codec.

Bei mir landen dann die AVI´s erst einmal auf die internen HDD´s. Dort sortiere ich bzw "fülle" auf die Menge von den 1 Stunden miniDV-Bändern auf, um nicht 1/4 ungenutzt zu lassen. Nach dem Zurückspielen auf miniDV-Band werden die AVI´s auf die externen HDD´s im Firewire-Case zur Weiterbearbeitung ausgelagert. Somit bin ich damit absolut flexibel und rechnerunabhängig.

Wichtig beim Case- und HDD-Kauf ist die Größe zu beachten. 120GB ist eine solche "magische Grenze", die für meinen neuen 3x200GB-HDD´s eine Case-Neuanschaffung nötig machten. Auch der Chip im Case ist von Bedeutung und mancher harmoniert nicht gerade mit dem auf der Firewire-Karte. Oxford hat sich als sehr kompatibel heraus gestellt. Natürlich lassen sich dann wahlweise die HDD´s in den Cases austauschen. Auch brauchen für ein Case nicht unbedingt die schnellsten Festplatten sein, da diese an der Firewire-Schnittstelle nicht voll ausgenutzt werden kann und sie zudem auch leichter heiß werden.

Wichtig dabei ist nur der jeweiligen HDD einen eindeutigen Namen zu geben und in der Systemsteuerung unter der Datenträgerverwaltung einen Buchstaben zu geben, der niemals von einem anderen Laufwerk belegt wird. Am besten einer der letzen im Alphabet. Damit wird es gleichgültig, welche externe HDD zuerst angeschlossen wird, es wird immer der einmal vergebene Laufwerksbuchstabe genommen und alle Pfade stimmen auch in der Zukunft.

(Dank an Moeko für diesen Tipp und das Testen)

Das Capturen der AVI´s

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Welches Tool man zum Capturen nimmt ist Geschmacksache, dennoch möchte ich dazu ein paar Anmerkungen machen. Benützt man das, zur Karte gehörende Capturetool, kann man davon ausgehen, daß es optimal auf die Karte abgestimmt ist, den Codec korrekt und in der Orginalversion schreibt.

Auch wenn es unter W2K und NTFS keine Dateigrößen-beschränkung gibt, habe ich in etlichen Programmen schon Schwierigkeiten damit gehabt. Zum Teil wird die ganze Länge nicht erfasst oder Video und Ton laufen auseinander. Ein Referenz-AVI ist auch möglich. Hat aber den Nachteil, daß dabei immer auf die Originaldatei verwiesen wird und somit weder verschoben noch gelöscht werden darf. Dadurch ist die Flexibilität eingeschränkt und die Datenmenge erhöht sich zusätzlich. In der derzeitigen Version von AVCutty verweisen auch die Szenen noch auf das Referenz-AVI und somit habe ich mich für den sicheren Weg mit 2 GB-Häppchen entschieden. Das ergibt bei einem analogen 45 Minuten Band knappe 10 GB also 5 Files. Da ich keinen Timecode habe, wähle ich bei EZVideo "nahtlos" und gebe eine Endzeit ein. Besonderen Augenmerk sollte man auf den Dateinamen legen. Ich habe mir angewöhnt Titel/Band/AVI-Teilstück mit Unterstrichen zu vergeben. In meinem Beispiel sind es 2 "Oma"Bänder. Name gefolgt von dem (2)Band und Nummer "0"des entstehenden Teil-AVI-Vorgabe. Fortlaufende werden so automatisch generiert, wenn man "nahtlos" und nach dem Datei und Pfadvergabe "Addieren" wählt. Starte mit "Capture" und anschließend den Zuspieler.

Szenenaufteilung und "mehr" mit AVCutty

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Nun geht es an das Aufteilen in Szenen. Dazu muss ich noch sagen, daß ich das Tool schon jahrelang während meine "Mjpeg-Zeit" schätzen gelernt habe. Da dieses Tool nun auch mit DV-Codecs klar kommt, macht es für mich nahezu unentbehrlich. Klein, funktionell mit vielen Eingriffsmöglichkeiten. Kurzum, man merkt die Praxisnähe des Entwicklers. Das ganze auch noch voll funktionsfähig und zeitlich unbegrenzt funktionsfähig. Lediglich um eine gern genommene Spende wird als Motivation zur Weiterentwicklung gebeten.

Zum Start erscheint der erste Reiter mit dem Fenster zum Laden der AVI´s. Über den Button mit rot markierten Kreis, oder einfach aus dem Explorer in das weiße freie Feld ziehen werden die Dateien geladen. Mit dem grünen Pfeil wird die Szenenanalyse gestartet. Rechts im Feld sind unterschiedliche Erkennungsmethoden und Kombinationen einstellbar. Ich, persöhnlich, bevorzuge die standardmäßig vorgegebene. Sollte das Ergebnis aber nicht zufriedenstellend sein, kann man hier unterschiedliche Varianten, bzw. Algorithmen zur Erkennung auswählen. Nach der Erkennung werden mit dem Button ganz rechts unten die Szenen in die Szenenliste übernommen.

Auf Reiter2 gelangt man auch über diesen zu meinem bevorzugten Fenster. Dort stehen die wichtigsten Funktionen ständig zur Verfügung. Schnell und intuitiv können hier die Szenen nach eigenem Wunsch angepasst werden. Der Schieberegler lässt sich nicht nur mit der Maus. sondern auch per links/rechts Cursor-Tasten jeweils um ein Bild verschieben. So ist bildgenaues navigieren möglich. Vorher/Nachher Szenenvorschau bringen mehr Überblick.

Ein paar Tipps aus eigener Erfahrung:

Nicht unbedingt nur nach Bild schneiden. Oft stört ein unpassender Umgebungslärm in einem optisch unansehnlichen Szene ist, aber das Audio ok und man kann es zur Nachvertonung benutzen. Sätze in Gesprächen enden auch nicht zuverlässig mit dem optischen Eindruck, in solch einem Falle überprüft man die Szene besser mit "Ton abspielen". Sollte man planen einige Szenen noch durch einen Bildstabilisator laufen zu lassen, sind kurze Szenen besser, als wenn noch der Schwenk mit berechnet werden soll. Die Einzelbildausgabe ist eine prächtige Funktion. Schon während des Schneidens extrahiere ich mir dabei meine Bilder, die oft nicht als Fotos vorliegen und so als Erinnerung dienen. Zudem erweisen sie sich als passende Buttons und Hintergründe in DVD Menüs und sind auch für Diashows auf CD/DVD nutzbar.

Über Reiter 2 gelangt man zu den meisten Funktionen, so auch zu Szenen zusammen fügen dazu müssen mindestes 2 Szenen aus der Liste markiert sein.

Wichtig ist auch die manuelle Aufteilung, die sich hinter diesem Button verbirgt. Dort können mit "Schere +" beliebig viele Schnittpunkte gesetzt und mit "Schere -" wieder entfernt werden, die als neue Szenen erscheinen.

Auf Reiter 4 findet man eine sehr sinnvolle Zusatzfunktion, wie ich meine. Dort stehen für die Ausgabe in HTML unterschiedliche Templates zur Verfügung. Große 5 Bilder Szenenlisten für die Übersicht am PC. Druckerfreundliche 3er Versionen. Aber unter anderem eines für den Druck einer Art Drehbuch mit drei Bildern und seitlichem freien Feld. Bilder können in der Größe noch variiert werden. Ich nehme für den Druck 90x72. Das fertig erstellte HTML- Formular läßt sich in einem Webeditor oder in Word öffnen und beliebige Texte zu den Szenen eingeben. Unter Reiter 2 lassen sich auch schon fertig generierte Szenen neu ordnen und anschließend als Szenenliste abspeichern oder ausdrucken.

Videoverwaltung mit Thumbs Plus

ThumbsPlus Homepage ( 30 Tage Trialversion verfügbar )

ThumbsPlus Forum

Alleine auf einer HDD sind es schon 1200 Dateien. Mit Thumbs Plus habe ich mein optimales Verwaltungsprogramm dafür gefunden. Eigentlich für die Bilderverwaltung gedacht und hat sich zur Multimediaverwaltung gemausert. Alle Codecs, auf die Windows zugreift, kann Thumbs Plus verwalten, inklusive Audio- und Videodateien. und einige mehr.

Um alle Funktionen frei zu schalten muß man erst unter Optionen --> Einstellungen --> bei "Verzeichnisoperationen zulassen" ein Häkchen setzen. Erst dann wird Löschen, Verschieben usw. wie im Explorer möglich. Wenn man das Bild oben betrachtet. sieht man, daß die Vorschaubilder von abgehängten HDD´s an, sie sind markiert und trotzdem sind die Vorschaubilder zu betrachten. Das betrifft auch die Einstellung für die angezeigten Details, wie z.B. Dateigröße und Schlüsselwörter. Ebenso ist es möglich "Offline CD/DVDs so zu verwalten. Bei Aufruf wird man gebeten den betreffenden Datenträger einzulegen.

Das Geniale an Thumbs Plus ist die Vergabe und Abruf von Schlüsselwörtern. Nehmen wir das Beispiel meiner Weltreise. Ich vergebe im Falle Asiens unterschiedliche Schlüsselwörter bzw. Kombinationen. Begonnen wird mit Asien, das betrifft alle Szenen über dem Kontinent. STRG+A markiert alle aus dem Ordner und mit "Schlüsselwort hinzufügen" -> "Andere" kann ich ein neues eingeben. So verpasse ich jeder Szene einen Kontinent, Land, Stadt(Region) und anschließend geht es ins Detail der Aufnahmen. Vergebe ich nun in allen Szenen für bestimmte Clips das Schlüsselwort "Schmetterling" wird in der Suchefunktion in allen Clips mit dem Schlüsselwort "Schmetterling" gesucht, egal welche zusätzlichen Schlüsselwörter sie noch tragen. Benutze ich aber die Kombination "asien;schmetterling" werden nur allen gefunden die beide Schlüsselwörter tragen. Der Fantasie und Logik des einzelnen für seine Clipverwaltung sind somit keine Grenzen gesetzt.

Nachdem man alles ein geeignetes "Etikett" verpasst hat, geht es auf die Suche.

Über "Bearbeiten -> Suche über Abfrage" in meinem Beispiel "asien;singapur" werden anschließend alle Files mit diesem Schlüsselwort gefunden, egal auf welchem Datenträger, on- oder offline sie sich befinden.

Auf der rechten Seite erscheint beim "Suche Symbol" das Suchergebnis. Aus diesem Ergebnis lasse ich eine Galerie erstellen. Nach Belieben kann ich ganz unterschiedliche und eine Vielzahl von Galerien anlegen. Auch bei den Galerien werden Vorschaubilder gekennzeichnet, die sich momentan offline befinden. Unter Optionen -> Einstellungen -> Thumbnail-Anzeige kann ich die Anzeigeform, ebenso wie die zusätzlichen Anzeigedaten, ändern und ergänzen. Ich bevorzuge Thumbnail , Name , Pfad , Dateigröße und Schlüsselwörter. Damit habe ich ständig die wichtigsten Daten im Auge.

Mit dieser Dialogbox kann ich wiederum wichtige Einstellungen vornehmen. Nachträglich lässt sie sich auch im Kontextmenü der betreffenden Galerie ändern. Bei der manuellen Sortierung, bzw. Sortierung nach und dort jeweils "kein" gewählt kann ich die Vorschaubilder an jede mir beliebige Stelle der Galerie ziehen. Da es sich ja um eine interne Liste von Thumbs Plus handelt, wird im Explorer nichts verschoben.

Wenn ich mir so die Szenen eines Filmes in der Reihenfolge des Schnittes zurecht lege und im Kontextmenü der Galerie "Galeriesortierung speichern" wähle, bleibt meine Sortierung erhalten. Damit habe ich ein Storyboard für den Videoschnitt in der gewünschten Reihenfolge, deren Darstellung ich jederzeit ändern kann. Bei sehr großer Clipanzahl ist diese "Klein"Darstellung und Bild bei drüber stehender Maus auch sehr angenehm. Natürlich lässt sich per Doppelklick das Video jederzeit abspielen auch mehrere gleichzeitig sind möglich. Eine interessante Möglichkeit dieser Galerien und Schlüsselwörter ergibt sich dabei auch für Sound zum Nachvertonen. Galerien mit "audio;tiere" als Schlüsselwörter lassen schnell die passenden Geräusche für einen Zoobesuch finden. Nicht zu vergessen, daß betreffende Geräusche auch auf offline-CD/DVDs sich befinden können und bei Abruf nur eingelegt werden müssen. Natürlich lassen sich dann auch solche Daten auf HDD kopieren und zur Galerie hinzufügen.

Oben sieht man sehr gut, wie ich Thumbs Plus als richtig sortiertes Storybord benütze. Einfach das Vorschaubild in die Timeline des Schnittprogrammes gezogen landet das Video dort.

Schlusswort

Das ist nur eine kleine Anzahl von Möglichkeiten, die AVCutty und Thumbs Plus bieten, die ich um übersichtlich zu bleiben nicht alle aufgezeigt habe. Aus AVCutty kann man z.B. auch Sequenzen für Diashows erstellen, Anmerkungen zu Szenen einbringen und vieles mehr. Thumbs Plus erstellt Webseiten, kann aus AVI´s DIP-Sequenzen in beliebigen Formaten generieren, die gleichzeitig noch optimiert werden können und vieles mehr.

Nun viel Spaß und ich hoffe Euch ein paar sinnvolle Anregungen gegeben zu haben.

Gruss

Angelika